Die jüngste Krise im Zusammenhang mit verunreinigter Säuglingsnahrung hat weltweit zu schweren Erkrankungen bei Babys geführt und in seltenen, tragischen Fällen sogar zum Tod. An erster Stelle gilt unser tiefstes Mitgefühl den betroffenen Familien. Keine Familie sollte in Bezug auf die Ernährung seines Säuglings mit solchen Unsicherheiten konfrontiert werden.

Die Ursache der Situation wurde auf ARA (Arachidonsäure) zurückgeführt, ein häufig verwendeter Zusatzstoff in Säuglingsnahrung. Bestimmte Chargen von ARA, die von einem chinesischen Biotechnologieunternehmen an mehrere grosse, internationale Hersteller von Säuglingsnahrung geliefert wurden, waren kontaminiert. Die betroffenen Unternehmen arbeiten daran, das Problem zu beheben, fehlerhafte Produkte aus der Lieferkette zurückzurufen und Schutzmassnahmen zu verstärken, um eine Wiederholung zu verhindern.

Gleichzeitig hat diese Krise Schwachstellen in der Säuglingsernährung aufgezeigt, und es ist wichtig, dass Eltern jetzt Zugang zu klaren und verlässlichen Informationen haben. Für Familien in der Schweiz haben wir folgende Hinweise aus offiziellen Regierungsquellen, von Fachpersonen im Gesundheitswesen und aus wissenschaftlichen Publikationen zusammengestellt:

  • Nicht alle Säuglingsnahrungsprodukte sind betroffen:
    Die verunreinigten Chargen wurden vom Markt genommen. Eltern, die bereits Produkte gekauft haben, können Produktnamen und Chargennummern mit der offiziellen Liste des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) abgleichen.

  • Mehrere sichere europäische Bio-Marken sind erhältlich:
    HIPP, Holle, Kendamil, Lebenswert und Jovie stellen ihre Produkte ausschliesslich mit Rohstoffen und Bestandteilen aus der Europäischen Union her und sind daher nicht betroffen.

  • In der Schweiz gibt es eine Gemeinschaft zum Teilen von Muttermilch:
    Die Nutzung gespendeter Muttermilch kann für einige Familien eine weitere Option sein. Die in der Schweiz ansässige Plattform HM4HB Switzerland (Human Milk for Human Babies) vernetzt Familien, die Muttermilch spenden oder erhalten möchten. Aus Sicherheitsgründen wird dringend empfohlen, geteilte Milch 3–5 Minuten bei 70 °C zu pasteurisieren. 

  • Kuhmilch sollte in Betracht gezogen werden:
    Für Kinder ab einem Jahr halten viele Fachleute pasteurisierte Kuhmilch für eine sichere Alternative zu Säuglingsnahrung.

  • Relaktation kann eine mittelfristige Lösung sein:
    Das Wiederaufnehmen des Stillens nach einer Pause ist für manche Mütter bis zu zwei Jahre nach der Geburt möglich. Praktische Anleitungen in Form von Infografiken (auf Deutsch und in weiteren Sprachen) sind bei La Leche League International verfügbar.
    Zusätzliche Informationen auf Englisch sind bei dem US Center for Disease Control and Prevention erhältlich, einschliesslich Verweisen auf Ressourcen der UNICEF Baby Friendly Initiative, der World Health Organization und des Emergency Nutrition Network. Die Links finden Sie hier.


Obwohl Säuglingsnahrung weiterhin eine weit verbreitete und wichtige Ernährungsoption darstellt, ist es angesichts der jüngsten Krise wichtig, das Stillen stärker in den Fokus zu rücken.

Wissenschaftler sind sich einig, dass Muttermilch nach wie vor die beste Ernährung für Säuglinge ist. Sie bietet Immunschutz in einer Phase, in der sich das Immunsystem des Babys noch entwickelt, und unterstützt die langfristige Immunentwicklung. Ihre Zusammensetzung passt sich im Laufe der Zeit – von Stunde zu Stunde und von Monat zu Monat – den sich verändernden Bedürfnissen eines wachsenden Kindes an. Studien bringen das Stillen zudem mit kognitiven Vorteilen und langfristigen positiven gesundheitlichen Effekten in Verbindung. Darüber hinaus bietet das Stillen Schutz gegen Lieferengpässe oder Marktkrisen, die den Zugang zu industriell hergestellten Produkten erschweren oder deren Verwendung unsicher machen können.

Für werdende Eltern können die jüngsten Ereignisse verständlicherweise Einfluss darauf haben, wie sie über die Ernährung ihres Babys denken. Der Zugang zu vertrauenswürdigen, evidenzbasierten Informationen ist daher entscheidend, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.

Familien in der Schweiz, die Orientierung oder Unterstützung wünschen, können sich auf den Webseiten der folgenden, seriösen Organisationen informieren:


Eltern verdienen Klarheit, Sicherheit und einfühlsame Begleitung, wenn sie über die Ernährung ihrer Neugeborenen entscheiden. Wir hoffen, dass diese Informationen Familien in einer schwierigen und unsicheren Zeit Orientierung und Unterstützung bieten.