Neues Handbuch für Spitäler: Psychische Gesundheit rund um die Geburt

  • News
  • 27 Okt. 2026
261026 Midwives Handbook

Psychische Erkrankungen während der Schwangerschaft und nach der Geburt betreffen in der Schweiz fast jede sechste Frau. Viele Fälle bleiben unerkannt, nationale Leitlinien fehlen, und spezialisierte Versorgungsangebote gibt es nur wenige. Ein neues, von der Familie Larsson-Rosenquist Stiftung (FLRS) finanziertes Handbuch soll helfen, diese Versorgungslücke zu schliessen.

Das Handbuch wurde von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am Inselspital Bern erarbeitet. Es basiert auf einem Versorgungsmodell, das die Klinik gemeinsam mit dem Universitären Psychiatrischen Zentrum Bern (UPZ) entwickelt und evaluiert hat. Dabei betreut eine Advanced Practice Midwife (APM), eine Hebamme mit erweiterten klinischen Kompetenzen, psychisch belastete Frauen frühzeitig und koordiniert die interprofessionelle Zusammenarbeit.

Mit ihrer Förderung ermöglicht die FLRS anderen Schweizer Geburtskliniken, dieses Modell zu übernehmen und damit die Versorgung betroffener Frauen und Familien zu verbessern.

Hier stellen wir Ihnen das neue Handbuch als Download kostenlos zur Verfügung.

Aus der Praxis für die Praxis

Das Handbuch macht die Erfahrungen aus Bern für andere Kliniken nutzbar. Ein Leitfaden in acht Schritten beschreibt, wie ein vergleichbares Angebot aufgebaut und in bestehende Versorgungsstrukturen integriert werden kann. Ergänzt wird er durch konkrete Instrumente zur Früherkennung, Schulungsunterlagen, Vorlagen für die Geburts- und Krisenplanung sowie Empfehlungen zur interprofessionellen Zusammenarbeit.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die individuelle Stillberatung bei psychischen Erkrankungen, auch unter Einnahme von Psychopharmaka. Dabei geht es darum, die Gesundheit von Mutter und Kind gemeinsam zu betrachten und Frauen entsprechend ihrer persönlichen Situation zu unterstützen, ohne zusätzlichen Druck aufzubauen.


Ein Modell mit Potenzial für die ganze Schweiz

Für die FLRS ist das Handbuch zugleich ein Baustein ihrer Schweizer Strategie: Erfolgreiche, wissenschaftlich fundierte Versorgungsmodelle sollen nicht auf einzelne Institutionen beschränkt bleiben, sondern systematisch für weitere Kliniken zugänglich und übertragbar gemacht werden.

Das in Bern entwickelte Modell bietet damit eine Grundlage, um spezialisierte Angebote auch an anderen Schweizer Geburtskliniken und Kinderspitälern aufzubauen und langfristig in der Versorgung zu verankern. Ziel ist eine nachhaltige Verbesserung der psychischen Gesundheitsversorgung von Müttern und damit auch der Gesundheit ihrer Kinder.

Weitere Informationen zum Inselspital Bern finden Sie hier.